Eigentlich gehören sie im Gartenbeet nicht zusammen, auch wenn man sie in Büchern und Gartenzeitschriften immer wieder miteinander sieht. Normalerweise blühen ja die Rosen schon im Mai und Juni. Der Lavendel blüht später. Was man da tun kann? Remontierende Rosen wählen, und die ersten Blüten sofort für die Vase ernten. Dann gehen die zweiten Blüten mit dem Lavendel zusammen auf, und das romantische Bild stimmt.
Aber Rosen und Lavendel haben nicht die gleichen Bedürfnisse. Rosen brauchen viel Nahrung und Kompost, und wollen den Boden regelmässig gelockert haben. Lavendel mag es steinig und karg. In der Parfümerie vermählen sich die beiden Düfte aufs wunderbarste, und das seit Jahrhunderten. Was die Rosen und der Lavendel auch gemeinsam haben: Beides sind Pflanzen, die mit der Hitze gut zurechtkommen. Beim Lavendel werden nun alle nicken. Bei den Rosen sehe ich erstaunte Gesichter. Es kommt natürlich auf die Sorten an. Vor allem robustere neue Züchtungen kommen mit heissem Wetter prima zurecht.
Davon konnte ich mich selber überzeugen, als ich auf einer Gartenreise mitten in der Julihitze in Lyon die Rosengärten im berühmten Stadtpark „La Tête d’Or“ besuchte. Hier gibt es drei Rosengärten, den ersten mit den historischen Rosen im botanischen Garten – dort war logischerweise im Hochsommer nicht mehr viel los. Beim Versuchsgarten, wo jedes Jahr die schönste Rose Frankreichs gekürt wird, sowie beim grossen, international bekannten Rosengarten hingegen blühten zahlreiche moderne Sorten in wunderbarster Pracht. Und das nach mehreren Wochen Extremhitze, und während ringsherum jeder Grashalm und alle Beikräuter längst verdorrt waren.
Rosen haben tiefe Wurzeln, das ist ihr Glück angesichts der sich erhitzenden Verhältnisse. Man muss sie nur gescheit pflanzen und pflegen – den Boden gründlich lockern und dafür sorgen, dass die Wurzeln auch wirklich tief in die Tiefe wachsen können. Und man muss robuste, gesunde Sorten wählen. Und regelmässig alles Verblühte wegschneiden. Dann erfreuen sie einen auch in der Sommerhitze und blühen die ganze Saison über munter weiter.
In der Provence übrigens habe ich mit dem Lavendelspezialisten Gael Briez von „Un Mas en Provence“ gesprochen. Er erzählte mir, dass er ein ganzes Feld mit der alten französischen Parfümrose Rosa centifolia anpflanzte. Sie blüht viel früher als der Lavendel, und er kann sie ernten, bevor die Hitze des Hochsommers aufzieht – das sei eine Investition für die Zukunft, ist er überzeugt. Ausserdem baut er auch Immortelle und andere südländische Kräuter an, um das Risiko von Totalverlusten zu minimieren. Am meisten Hoffnung hat er bei den Rosen, die in vielerlei Hinsicht robuster seien als der Lavendel. Na dann, lassen wir unsere Gärten auch in der Hitze weiterblühen!
